Beispiel 4

Im Schulungskontext, wenn es um Verständnisfragen geht, kann ein Ja leicht missverstanden werden. Mitarbeiter aus Südkorea, Japan oder China, aber auch Thailand oder den Philippinen, tun sich schwer zuzugeben, wenn sie bei einer Schulung nicht alles verstanden haben. Höflichkeitsfloskeln, Zustimmung, Beschwichtigungen als Antwort sind dann für Österreicher sehr irreführend, wenn sie nicht im jeweiligen kulturellen Hintergrund interpretiert werden. Kritisches Hinterfragen, klärende Fragen, Nachfragen sind Kommunikationsformen, die bei uns gegenüber Vorgesetzten durchaus üblich sind und erwartet werden. Nicht so in anderen Kulturen:

Schulung im IT Bereich einer großen österreichischen Versicherung. Die IT Fachfrau und Abteilungsleiterin hielt eben einen längeren Vortrag über ein neues Tool, das angewandt werden soll. Ihre Zuhörer sind südkoreanische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die eigens nach Österreich ins Unternehmen gekommen sind, um eingeschult zu werden. 

„Ich hoffe, Sie konnten meinen Ausführungen folgen. Haben Sie Fragen?“ 

Die Zuhörer blicken auf ihre Laptops, keiner von ihnen meldet sich. 

„Gibt es wirklich keine Fragen? Haben Sie alles verstanden?“ 

Keiner der Zuhörer stellt eine Frage. Alle nicken und murmeln ein Ja. 

„Sie wissen, dass Sie dieses Tool selbständig anwenden müssen. Haben Sie wirklich keine Fragen? Stille macht sich breit. Alle blicken in die Laptops. Niemand stellt eine Frage.  

„Gut, dann danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung.“ 

Die Gruppe packt ihre Laptops ein und geht schweigend aus dem Schulungsraum. Am nächsten Tag hagelt es Emails an die Abteilungsleiterin, in denen sehr differenzierte Fragen bezüglich des Tools und der Anwendung gestellt werden. Die Abteilungsleiterin ist erbost und versteht nicht, weshalb diese Fragen nicht am Tag zuvor gestellt worden sind.