Beispiel 3

Die Aussage „Könnten Sie bitte die Unterlagen bis nächste Woche für das Meeting vorbereiten?“ wird in unserem kulturellen Kontext als höflich ausgedrückte, aber klare Anweisung verstanden. Bei einem Mitarbeiter aus Indien kann diese Formulierung Verwirrung auslösen, denn er weiß nicht, was er tun soll: Wird er gefragt, ob er es tun kann oder muss er es tun? Es kann daher sein, dass er mit „Ja“ antwortet, weil er denkt, er kann es tun, was aber noch nicht bedeutet, dass er es tatsächlich tut, da er dazu nicht explizit aufgefordert wurde. Eine Frage ist in seinem kulturellen Kontext keine Anweisung. Ihm müsste die österreichische Vorgesetzte eine klare Anweisung geben: „Die Unterlagen bereiten Sie bis nächste Woche Montag, 15.00 für das Meeting vor.“ Eine Führungskraft in Indien formuliert das so: „Ram, deine Aufgabe ist es, die Unterlagen vorzubereiten. Du musst die Unterlagen zuerst durchschauen, ob sie vollständig sind und mit den Punkten auf der Agenda vergleichen. Wenn du einen Fehler bemerkst, kommst du sofort zu mir. Dann musst du die Unterlagen 10 Mal kopieren und die einzelnen Bündel zusammenheften und in diese Mappen hier legen. Es müssen insgesamt 10 Mappen sein. Die Mappen bringst du dann am Montag um 3pm in den Meetingraum und legst jeweils eine Mappe auf einen Platz am Tisch. Ich komme dann und schaue, ob alles in Ordnung ist.“

Tipp: Das Beispiel zeigt die Knackpunkte im interkulturellen Bereich auf: Ich kann nicht davon ausgehen, dass mein Mitarbeiter aus Indien gleich denkt wie ich. Anweisungen sollten daher immer an die Erwartungshaltung der angesprochenen Person angepasst sein.